Agility

Als ich mir einen sportlich interessierten Hund gewünscht habe, schwebte mir keinesfalls ein reiner Laufhund vor, da ich selbst kein begeisterter Jogger, Kutsch- oder Radfahrer bin. (Für Dimi wäre ich all dieses geworden, wenn er es denn hätte annehmen können, was aber leider auf Grund der Art und Weise, wie er groß bzw. auch schon relativ alt geworden war, als ich ihn bekam, nicht so war. Seine körperliche Konstitution ließ dies nicht zu.)

Was ich wollte, war ein Hund, den ich - und der mich - vielseitig beschäftigen könnte. Jetzt habe ich den Salat!! ;-))).

Nachdem ich schon häufig beim Agility-Training zugeguckt und dabei viel Spaß hatte, hoffte ich sehr, dass Fietjes gesundheitliche Verfassung, wenn er denn mit dem Knochenaufbau hinreichend weit gekommen wäre, diesen Sport zuließe. Also habe ich mein Hündchen mit gut 15 Monaten röntgen lassen, wobei HD=0 und alles andere sei bestens festgestellt wurde, so dass wir nur noch das nächste Anfänger-Seminar abwarten mussten, um im Anschluss daran ins Training einsteigen zu dürfen.

Das ließ nicht lange auf sich warten und wir lernten in fröhlicher Runde mit mehr oder weniger stark motivierten Menschen und Hunden die einzelnen Geräte kennen, stellten dabei wieder einmal fest, wie unterschiedlich Hunde an die verschiedenen Aufgaben herangehen und waren ganz stolz, als wir am Ende des zweiten Tages schon - meistens gemeinsam mit unseren Vierbeinern - einen einfachen Parcours meistern (nein, wahrscheinlich ist doch "bewältigen" die ehrlichere Beschreibung) konnten.

Aller Anfang ist schwer!
Mit Netz und doppeltem Boden Schokoladenseiten sehen anders aus
Ab durch die Mitte
Erst eins... ...dann drei

Von da an ging es Jahr für Jahr regelmäßig in der Zeit von April bis Oktober einmal pro Woche zum Training. Als erstes musste ich mal feststellen, dass mein Hund ebenso schnell wie selbstständig war, was mir in diesem Zusammenhang nur bedingt gefiel...

Im Klartext bedeutet das nämlich nichts anderes, als dass ich hinter Fietje her hechtete, meinte, schneller werden zu müssen, um endlich in die Verlegenheit zu kommen, doch selbst einmal den Weg vorzugeben und den Sport GEMEINSAM mit meinem Hund zu betreiben ;-). Das sollte so nicht bleiben!

Gott sei Dank lernte Fietje recht schnell, die Hindernisse sicher zu nehmen, so dass ich in die Gruppe der Fortgeschrittenen "aufsteigen" durfte, wofür ich heute noch dankbar bin. Denn dort traf ich zum ersten Mal auf Ingrid Heller, die diese Bande trainierte. Und irgendwie beschlich mich das Gefühl, dass erst jetzt das "richtige" Training anfing (was nicht heißen soll, dass ich vorher nichts gelernt oder keinen Spaß gehabt hätte).

Was ich sehr schnell begriff, war die Tatsache, dass Ingrid schon damals sehr stark das Zusammenspiel von Mensch und Hund beobachtete und genau an diesem Punkt die individuelle Betreuung im Training ansetzte. Zwar hatten natürlich alle Teams denselben jeweils vorgegebenen Parcours zu absolvieren, aber die auftretenden Schwierigkeiten waren so unterschiedlich wie die antretenden Zwei- und Vierbeiner.

Eines meiner größten AHA-Erlebnisse zu Beginn der Arbeit in dieser Gruppe war, dass ich keineswegs schneller, sondern Fietje langsamer werden müsste, damit er die Zeit hätte, auf mich zu achten und darauf zu warten, dass ich ihm sagen würde, wo es lang ging.

Als Ingrid mir dies erklärte, habe ich zunächst reagiert wie der "Lieblingsschüler eines jeden Ausbilders": 'Jaaaa, aber...'. Ich weiß nicht mehr genau, welche schwerwiegenden Begründungen ich damals ins Feld geführt habe - ganz sicher war dabei,

  • dass ich das aber nicht hinkriegen würde, weil mein
    kleiner Hund so schrecklich viel Spaß hat, wenn er über
    die Hindernisse donnert...


  • dass Fietje ja so gern auf mich achten würde, das aber
    nicht hinbekommt, weil er doch "von Natur aus" so schnell ist...


  • dass Agility doch keinen Spaß macht, wenn man sich nicht ordentlich bewegt und immer schneller, höher, weiter fliegt...

Bestimmt habe ich noch mehr dummes Zeug geredet, aber Sie werden sicher verstehen, dass ich lieber über die Erfolge beim Lernen berichten möchte als darüber, wie "kreativ" ich darin war, Ausreden für meine Unzulänglichkeiten zu finden.

Ich erwähne sie hier nur, weil ich heute sicher bin, dass sich der eine oder andere in den aufgezählten Punkten (die sich noch trefflich ergänzen ließen) ganz bestimmt wiederfindet. Und wenn das so ist, dann lassen Sie sich doch bitte sagen, dass es bedeutend mehr Spaß bringt - auch wenn es anstrengender ist - an der Lösung der Probleme zu arbeiten als an der Erweiterung des "Jaaaa-aber-Repertoires".

Nun, ich muss gestehen, dass ich diese Erkenntnis nicht in erster Linie meiner Cleverness verdanke, sondern vielmehr Ingrids Konsequenz, die mich - so spannend meine Erklärungen auch klingen mochten - nicht mit ihnen abziehen lassen wollte. Sie blieb also am Ball, ich hielt denselben flach und siehe da - im Laufe der Zeit entwickelten sich Fietje und ich zu einem immer harmonischeren Team.

Und ich versichere Ihnen, dass trotz der anfänglichen Tempodrosselung, (die meinen kleinen Hund ebenso gestört hat wie die Tatsache, dass er nun auf mich warten musste, um zu erfahren, wie es weitergehen sollte) weder Fietje noch ich heute "schlaftablettenmäßig" im Parcours unterwegs sind. Fietje hat nur langsam gelernt, schnell auf mich zu achten und lässt sich heute prima führen.

Sehen Sie sich die "bewegten Bilder" mit dem Windows Media Player an!
Tag der offenen Tür 02.05.04
Training 11_08_04

Zugegeben, die Kontaktzonen-Hindernisse sind wegen der aufzubringenden Ruhe noch immer nicht unsere liebsten (werden sie wahrscheinlich auch nicht mehr), aber wir arbeiten schön weiter an den sich stellenden Aufgaben und Eva Novak, die unsere Gruppe in der Saison 2003 von Ingrid übernommen hat, muss sich von mir kein einziges "Jaaa, aber..." anhören.